Was ist Skypecasting? [Update]

Die Ausganslage für den Artikel «Selbst ist die Radioprogramm-Chefin» in der heutigen «Sonntagszeitung» über war mir überhaupt nicht klar. Da heisst es:

Bislang brauchte man spezielle Software, um sich die Amateur-Radioshows [Podcasts] aus dem Netz auf den heimischen MP3-Player zu ziehen. Findige Nutzer wollen das jetzt noch einfacher machen und Podcasting mit dem beliebten Internettelefonprogramm Skype kombinieren. Das Ergebnis sind so genannte Skypecasts.

Das würde heissen, dass Podcast mit Hilfe eines «Podcatching»-Clients wie zum Beispiel iPodder weniger leicht zu beziehen sind als Skypecasts über Skype. Nun, das kann ich nicht so recht glauben. Allerdings kann ich mir auch nicht vorstellen, wie das mit Skype funktionieren sollte und was die Vorteile wären. Und ehrlich gesagt, habe ich überhaupt noch nie etwas von Skypecasting gehört.

Wenig Verständnis für die Grundannahme des Artikels hatte auch Tanja Dankner vom swisspodcast, die vom Journalisten zum Thema befragt wurde. Wie sie auf die Frage reagierte, ist im Artikel so zitiert: Ich denke, das wäre auf jeden Fall möglich. Die ganze hilflose Antwort ist im Interview mit dem Journalisten im swisspodcast Nr. 7 zu hören.

Zwar führt Tanja für den swisspodcast via Skype Interviews und das kommt auch sehr gut rüber. Was im Artikel als Skypecasting bezeichnet wird, scheint aber auch Tanja völlig neu gewesen zu sein.

Doch dann lässt der Journalist die Katze doch noch aus dem Sack und verrät uns etwas über die Herkunft des Skypecastings. Der US-Journalist Stuart Henshall habe die Idee dazu gehabt. Und weil Skype die Schnittstellen zu seinem Programm kürzlich offen gelegt hätte, dürften bald Anwendungen auftauchen, die die Verbreitung von Podcasts über das Internettelefonienetzwerk möglich machten.

Schaut man sich Stuart Henshalls Anleitung zum Skypecasting nun aber an, geht es da einzig um die Beschreibung, wie Skype-Konferenzschaltungen auf dem PC aufgezeichnet werden können. Doch weil das nicht immer ganz so einfach ist, haben viele Podcaster ihre eigene Lösung gesucht und gefunden. Tanja und ihr Partner Gustavo zeichnen die Skype-Calls via Audio-Kabel mit einem iRiver-MP3-Player auf, wie Tanja im Interview verrät. Danach wird die MP3-Datei wohl wieder auf den Computer transferiert um dann der Podcast zusammenzustellt.

Jetzt frage ich mich also immernoch, woher der Journalist das mit der Podcast-Verbreitung via Skype hat. Vielleicht aus einem weiteren Beitrag auf Henshalls Weblog. Darin beschreibt dieser, wie bei Anruf über Skype Musik von seinem iPod zu hören ist. Das «Experiment» hat Henshall wieder abgebrochen. Und mir fällt auf, dass der entsprechende Beitrag nicht einen einzigen Kommentar bekommen hat.

[Update: präziserer Schluss] Wenn Skypecasting nun also einfach als Podcast-Interviews aufnehmen mit Skype verstanden wird, dann ist das wohl nicht diesen Hype wert, denn das ist etwas, was selbstverständlich praktisch ist und längst genutzt wird. Sollte mit Skypecasting allerdings tatsächlich eine neue Form der Verbreitung als Konkurrenz zum Podcasting über RSS-Feeds gemeint sein, dann will ich das mal sehen und hören. Wie es scheint wurde hier etwas in einen neuen Begriff hinein interpretiert, was gar nicht stattfindet.

Siehe auch:

Skypecasting? von Janko Röttgers, Mix, Burn & R.I.P., und den dort verlinkten Artikel bei CNET VoIP calls get podcast treatment.

Weiter lesen.

Ein Kommentar.

  1. fünfzehn Kommentare:
    Ja, ja, die Journalisten tun sich immer wieder schwer mit Technik. Wenn man darüber schreiben will, sollte man wenigstens dem Leser darstellen können, wie die einzelnen Teile heissen und was sie tun. Wenn man das nicht schafft, sollte man das besser sein lassen.

    Peter (link) - 24. April 2005 - 22:22 Uhr
    Der Multimedia-Teil der Sonntagszeitung schadet deren Ruf sowieso (Wenn der nicht sowieso schon am Boden ist), was die da jeweils schreiben, ist haarsträubend oder zusammengekleistert (Meistens aus heise.de). Reg mich jedenfalls meistens nur auf, auch der heutige Bericht über die “offenen” WLANs. Schlicht und einfach schlecht. Sorry :)

    Alain - 24. April 2005 - 22:38 Uhr

    Alain, ja. Der WLAN-Artikel ist schlecht.
    Die Webseite dazu schon angeschaut? http://www.sonntagszeitung.ch/w-lan

    Stefan Bucher - 24. April 2005 - 22:56 Uhr

    Wenn’s mir recht ist, ist der Begriff Skypecasting schon letzte Woche in der SZ rumgegeistert. Eine kurze Recherche im Internet hatte danach rein gar nichts zu Tage gefördert…
    Ich frage mich ob der Journi Skypecasting lustig findet und mit dem Beitrag jemand motivieren möchte, die offensichtlich fehlende Software zu schreiben. ;) Es bleibt aber, wie Stefan richtig bemerkt hat, schleiherhaft, wie das überhaupt funktioneren sollte.
    Im Übrigen kann man den SZ Artikel doch online nachlesen (wie auch das ‘Kästchen’ dazu).
    Und ganz abgesehen davon: Ist Tanja Dankner nicht Baslerin?

    David (link) - 25. April 2005 - 00:44 Uhr

    Bah, skypecasting ist doch ein alter Hut! Der neue Trend heisst VlogCasting! Oder war das BuzzwordCasting? Wer hat Lust auf eine Runde Bullshit Bingo?

    Matthias (link) - 25. April 2005 - 09:55 Uhr

    Danke für den Link. Ich habe ihn oben eingefügt. Ich finde mich auf der SZ-Website einfach überhaupt nicht zurecht.

    Meine Recherche nach dem Begriff hat doch einige Resultate gebracht. Siehe den Link, den ich dem Wort Skypecasting hinterlegt habe: Eine Suche bei Technorati.

    Ja, Tanja ist Baslerin aber sie wohnt offenbar in Zürich.

    Noch so ein Buzzword wäre ‘Mobilecasting’. Wie wärs mit einem Artikel dazu?

    Stefan Bucher - 25. April 2005 - 10:27 Uhr

    Also wenn ich das richtig verstehe, nimmt man da einfach ein Telefongespräch auf, wie man das seit Jahrzehnten schon kann. Das “Innovative” daran soll jetzt sein, dass es halt über Skype läuft. Boah, wenn die Technik alleine schon etwas Besonderes ist, dann mach ich doch nächstens ein grosses Trara um die Tatsache, dass ich auf einer ergonomischen Tastatur schreibe…

    Der neue Trend: ErgoBlogging! Der Bericht, die Bilder, das Interview!

    Sorry :-). Bin momentan etwas Hype-müde.

    Matthias (link) - 25. April 2005 - 10:44 Uhr

    buzzcasting gibt’s übrigens auch schon: http://www.jackstreet.com/jadvertising.c..

    Matthias (link) - 25. April 2005 - 12:00 Uhr

    Du musst Dich schon sehr gut zurechtfinden auf der SZ Site, um diesen Link zu finden. Der ist nämlich eigentlich nirgends zu finden…. ;)
    Aber wenn man etwas mit den Nummern am Ende der URL rumspielt, dann findet man einiges.

    David (link) - 25. April 2005 - 13:13 Uhr

    Der aktuellste Trend: baitcasting: http://gutfeldt.ch/matthias/blog/singleb..

    Matthias (link) - 25. April 2005 - 15:21 Uhr

    Habe es gesehen. LOL

    Stefan Bucher - 25. April 2005 - 19:26 Uhr

    Eben entdeckt: der Journalist Christoph Seidler bloggt.

    Stefan Bucher - 25. April 2005 - 22:00 Uhr

    klebt das Lyout von dem Christoph Seidler Blog bei euch auch so seltsam am linken Rand?

    Peter (link) - 26. April 2005 - 13:56 Uhr

    Ja, sieht bei mir auch so aus. Das Stylesheet ist ausserdem voller Feher.

    Matthias - 26. April 2005 - 16:40 Uhr

    Manchmal fühle ich mich ganz komisch dass ich einen offenen WLAN betreibe… Wie war das noch mit Open Access und selber machen? Der einzige Nachteil: Zwischen Desktop und Laptop transferiere ich Dateien via SSH. Das ist vielleicht auch nicht jedermanns Sache.

    Alex Schröder (link) - 30. April 2005 - 01:38 Uhr

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