Roger, der Schweizer Podcaster aus Luzern, hat eine schöne Sendung über Schweizer MundArt
gemacht. Darin spielt er Dialektbeispiele aus Zürich, Luzern und Nidwalden vor.
Die singende
Nidwaldner Sprache hat mich an meine Militär-Aufenthalte im Urkanton zwischen See und Bergen erinnert. Und an einen Artikel, den ich vor vielen Jahren in einem WK schrieb und als Gastkolumne im Blatt eines Journalisten bei uns veröffentlichen konnte.
Der Text stammt aus dem Jahre 1998. Er enthält Militär-Nostalgie, denn die beschriebenen Flieger gibt es heute nicht mehr. Und er enthält meine Beobachtungen zum Nidwaldnerdialekt.
Das also wieder einmal ein Beitrag aus der Abteilung «Schätze der Festplatte».
Die tonnenschwere Mirage RS rollt unter lautem Brausen über die Kantonsstrasse, mitten durch bewohntes Gebiet. «So etwas gibt es nur in der Schweiz zu sehen», weiss ein Holländer, der mit Freunden extra ins Nidwaldnerland angereist ist. Während der zwei Wochen, in denen die Fliegertruppen WK leisten, touren die Flugzeugnarrren durch die Schweiz. «Ein schönes Land und schöne Flieger.» Eine Mirage im Anflug auf den Flugplatz Buochs, in Nahaufnahme nach der Landung auf dem Weg zurück in die Kaverne – diese Bilder erregen Aufsehen. Natürlich habe er auch schon eine FA-18 auf Zelluloid, erzählt mir einer der ausländischen Gäste. Er ergreift seinen Fotokoffer und eilt davon. Das nächste Flugzeug rollt an.
In die Nähe der Rollwege kommen auch die Bewohner von Ennetbürgen. Neben dem schier unerträglichen Fluglärm wollen sie auch optisch etwas vom Flugbetrieb vor ihrer Haustüre haben. Ein älterer Herr steht schon den ganzen Morgen an der Ecke beim Restaurant Flugfeld. Hier kann er auch die Piloten erkennen, die ihre riesigen Deltaflieger über die Piste steuern. Noch ist die alte Sehnsucht nicht abgestorben, einmal mitfliegen zu können. Einmal mit über 1000 Stundenkilometer übers Land brausen. Einmal Herr der Lüfte sein.
Ihre lärmige Freude haben auch die Kinder des Dorfes. Raffi ist mit seinem Fahrrad auf dem Weg von der Schule nachhause. Schon von weit her ruft er meinen Namen und: «Gimme five!» Der Handschlag sitz, der Junge strahlt. Als Rollwart bin ich zum grünen Freund an der Strasse geworden. Hier sammeln sich die Kinder. Die Mädchen kennen mich noch vom letzten Jahr. Auch ich habe auch ihre Namen nicht vergessen.
Der Zürcher in Nidwalden muss über den Dialekt staunen, den die Menschen hier sprechen. Als Studierender der Sprachwissenschaften wollte ich herausfinden, worin der Unterschied zwischen Nidwaldnerdeutsch und Zürichdeutsch liege. Auf einem Papier notierte ich in phonetischen Zeichen die Aussprache der einheimischen Mädchen. Anders sind die Umlaute und die Vokale: Der Zürcher sagt «Flüüger», der Nidwaldner sagt «Fläiger». Der Zürcher sagt «Frau», der Nidwaldner sagt «Froi». «Wörtli» ist «Wärtli». Oder «du» ist «dui». Der Zettel mit meinen Notizen wurde zum Geheimpapier. Die zwei Mädchen, die an der Aufzeichnung beteiligt waren, weihten einzig eine gute Freundin in ihr Geheimnis ein. Die Buben dürfen nichts davon erfahren.
Während zwei Wochen im Jahr ist das Flugfeld Mittelpunkt des Dorflebens. Das Militär zieht die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Alle Menschen wissen vom unüberhörbaren Treiben. Fast alle: Die alte Dame im fliederfarbenen Mantel, die ich schon zweimal im letzten Moment vom Rollweg bitten musste, scheint vom Lärm nichts mitzubekommen.









