Internet-Briefing: Keine Angst vor dem Kunden

Ich bin am Anlass «User Generated Content» – Keine Angst vor dem Kunden von Internet-Briefing.ch bei der NZZ an der Falkenstrasse. Ich werde jetzt dann – so gut es geht – live bloggen.

Die Themen und Redner

  1. Online-Kommentare – mehr als Leserbriefe 2.0. Peter Hogenkamp, Geschäftsführer Blogwerk
  2. Facts 2.0: Experimente mit News und Lesern. Christoph Lüscher, Geschäftsführer PartnerWinner von TA-Media und Projektleiter von Facts 2.0
  3. Umgang mit Leserkommentaren. Urs Holderegger, Nachrichtenchef NZZ
  4. User Generated Content – Wenn Kunden plötzlich meine Produkte beurteilen. Roland Zeller, Geschäftsführer von travel.ch

Reto Hartinger eröffnet Anlass: Webseiten sind heute einfach zu bauen. Was nicht einfach gebaut werden kann, ist das, was die Benutzer beisteuern.

Los legt Roland Zeller.

Die alte Reisewelt
- Diverse Experten filterten Angebot.

Die neue Reisewelt
- Kunde kann selbst auf diversen Websites Informationen finden und Hotels buchen. Doch stimmen die Bewertungen, die im Internet zu finden sind? (Siehe Bericht im Internet-Briefing Blog.)
Kundenkommentare haben wesentlichen Einfluss auf Kaufentscheidung. (Der Bereich «Reisen» ist auch hoch bewertet in der Untersuchung zum «Vertrauen 2.0» vom GDI.)

Was gibt es schon an Besucher-Reviews im Internet als Partner?
- tripadvisor.com – bestehendes Portal, englischsprachig
- holidaycheck.de – eher Konkurrent als Partner

Eigenentwicklung travel.ch: Eigene Bewertungen, eigener Content, eigenes Notensystem.

Hotelgäste schreiben Kommentare zu ihren Aufenthalten. Oft wird an Details rumgemäkelt.

Über 40% Rücklauf: Hotelbesucher erhalten E-Mail mit Link zum Bewerten. Nur sie können Kommentar schreiben.

Besucherbewertungen beeinflussen die Anzeige der Suchresultate. Die Früheren «Tipps» von den Betreibern wurden damit ersetzt.

Künftig sollen auch Fluggesellschaften und Gruppenreisen bewertet werden können.

Neues Portal ab Frühling 2008: travelfeedback.com mit Maps, Fotos, Bewertungen u.s.w.


Jetzt spricht Peter Hogenkamp über «Leserbriefe 2.0».

Blogwerk ist ein Netzwerk mit 20 Autoren, die fürs Bloggen Geld kriegen. 5. Blog im Werk kommt bald: fraulich.com.

Blogwerk wächst. Es funktioniert, es wird kommentiert: Rund 3 Kommentare auf einen Beitrag im Durchschnitt.

Foren: Seit Anfang des Internets. Alle können schreiben, aber niemand tut’s.
Blogs: Nur einer (oder eine Gruppe) schreibt, alle können kommentieren. Und Kommentare werden genutzt, auch zum Gratulieren zum Geburtstag.

Geringstmögliche Hürde zum Kommentieren. Das Kommentarfeld ist standardisiert und «kulturell» verständlich.

Blogger kommentieren untereinander anders als Nicht-Blogger. Peter erklärt Trackbacks.
Heute lesen immer mehr Leute Blogs, die selber kein Blog haben. Kommentare verändern sich deshalb.

Kommentare sind wichtig für die schnelle Verbreitung von Geschichten im Internet.

Top 6 Kommentarkiller

  1. Registrationszwang
  2. Real-Name-Zwang
  3. Kommentare löschen
  4. Kommentare nicht beantworten. Nicht zwingend jeden. Aber das Gespräch führen.
  5. Korrekturen im Beitrag nicht vornehmen.
  6. Kommentare falsch beantworten: scharf reagieren, sich lustig machen.

Sind Kommentare nun «Leserbriefe 2.0»?
- Nicht alle Themen ziehen Kommentare an.
- Kommentare müssen gefördert werden.
- Viel und viel sinnvolles in den Kommentaren (Kommentare aufgreifen und daraus neuer Eintrag machen)
- Kommentatoren sind mächtig.
- «Schere im Kopf». Beim Bloggen schon an die möglichen Kommentaren denken. Oft auch anstrengend, sich den Kommentaren auszusetzen.

Blogwerk bereitet ein Jahrbuch vor.

Problem der Darstellung von Kommentare: Möglicherweise sind auch zu viele Kommentare ein Kommentarkiller.


Jetzt kommt Urs Holderegger. Es geht um Leserkommentare auf NZZ.ch. Seit Juli 2007 neues NZZ-Online-Portal.

NZZ wollte nicht mehr nur Einweg-Kommunikation. Allerdings: keine Anonymität, also nur mit dem Real-Name kommentieren. NZZ will auch den eigenen Brand schützen. Vermieden werden sollte auch Ping-Pong zwischen einzelnen Kommentatoren.

Redaktion kann in einem Moderationstool im CMS Kommentare ablehnen oder zulassen. Seit 6. Juli 2007 10 000 Kommentare angenommen, 35000 Kommentare abgelehnt. Ablehnung weil keine Substanz oder Verletzend oder viele Schreibfehler. «Im Zweifelsfall restriktiv» – aus Rücksicht auf die Leserschaft.

Alle Redaktoren, je nach Dienst, moderieren Kommentare. Gratwanderung. Absicht, die Meinungsvielfalt in den Kommentare widerzuspiegeln.

Unterschied zum Print (Leserbriefe): Holderegger findet, die klassischen Leserbriefe seien substanzieller, länger und sorgfältiger geschrieben als online. Online dafür anderes Publikum, viele Kommentatoren aus dem Ausland zu internationalen Themen.

Noch keine Zahlen, die eine stärkere Leserbindung belegen würden. Vorteil: Redaktion reagiert auf Leserkommentare zum Teil mit neuen Artikeln. Nachteil: hoher zeitlicher Aufwand für die Redaktion.

Registrierung soll eingeführt werden (siehe Kommentarkiller oben).

Siehe auch:
Reto Hartinger im Binternet-Briefing Blog zu Kommentaren bei NZZ-Online.


Nach der Pause kommt jetzt Christoph Lüscher von Facts 2.0.

«Frühstück 1.0»: Beschränkte Zahl von Zeitungen.
«Frühstück 2.0»: Die gleichen Zeitungen online lesen. Überblick ist nicht mehr leicht zu behalten.

Facts 2.0 will den Überblick vereinfachen. Mischung von News aus Online-Medien, Blogs und eigene Artikel.

«Der Nachrichtenradar». Wie auch in Print: man entdeckt Geschichten.
«Metamedium». Meinung und Hintergrund.

Community und Interaktivität ist zentral. Jede Aktion der Nutzer beeinflusst die Bewertung der Nachrichten (allerdings nicht transparent). Ziel ist eine ernsthafte Diskussion. Deshalb Anmeldung und Bestätigung. Starke Betreuung der Community durch aktive Teilnahme der Administratoren. Endprodukt soll nicht nur für eingeweihte lesbar sein.

61′000 Besucher im November 2007. Offenbar wird Facts 2.0 als Medium genutzt. Knapp 300 Quellen. Ein Eintrag mit 66 Kommentaren mit substanzieller Diskussion. Geschätzt werden die langen Hintergrundberichte.

Funktion, dass jeder einen Artikel schreiben könnte, wird kaum genutzt. Überhaupt werden «Web 2.0»-Anwendung wenig genutzt und sind noch recht unbekannt.

Erkenntnisse:
- Selber Engagement zeigen und an der Cummunity teilnehmen
- Auf Nutzer eingehen, offen und ehrlich sein
- «Ein Bisschen Community» gibt es nicht – es sind Menschen betroffen
- Gleichgewicht zwischen Nutzeraktivitäten und redaktionellen Ansprüchen finden
- Erstaunlich, dass nicht mehr Leute kommen, zum Beispiel von einer Sekte, und ihre Meinung schreiben

«Auf der Suche nach Masse haben die Verlage den Mainstream-Medien alle (Meinungs-)Ecken und (Hintergrund-)Kanten geschliffen.» Der Versuch «Facts 2.0» wurde honoriert, weit über das eigentliche Projekt hinaus.


Die Diskussion kommt nicht vom Thema «Facts 2.0» weg. Christoph Lüscher spricht wichtige Fragen zum Medienmarkt der Zukunft an. Aber das grössere Thema – «Keine Angst vor dem Kunden» – geht irgendwie unter.

Geschrieben am 22. Nov 2007. Kategorie: Internet. Tags: , , , , , . 1,250 Mal angesehen.

Weiter lesen.

2 Kommentare zu “Internet-Briefing: Keine Angst vor dem Kunden”

  1. Milos sagt:

    Ich wäre jetzt sehr gerne dabei… tja. arbeiten ist angesagt!

  2. MacMacken » Kommentieren ohne Zensur bei MacMacken sagt:

    [...] Erstaunen habe ich heute im «stefanbucher.net»-Blog gelesen, dass die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) einen grossen Teil der Kommentare auf Ihrer Website nicht [...]

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