Gestern habe ich wieder einmal einen Schwarzweissfilm vom Entwickeln abgeholt (meine Bilder zum Lochkamera-Tag). Dabei habe ich mich daran erinnert, dass ich hier doch die Arbeitsschritte vom Fotofilm zum Bild im Web beschreiben wollte.
Hier also die Stationen in meinem Film-Workflow:
- Filmkauf. Schon beim Kauf fängt das Film-Erlebnis an. Es kommt vor, dass ich in einem Fotogeschäft einfach nehme, was gerade da ist. Oder ich kaufe im «Eschenmoser» (heute Fust) ein, weil dort die Auswahl noch recht gross ist. Am liebsten habe ich für Schwarzweiss die Filme Ilford FP4 (ISO 125) oder HP5 (ISO 400). Als besonders geeignet für die Lochkamera hat sich der Ilford XP2 herausgestellt, weil der Film sehr gutmütig mit der Belichtung ist und im Farbprozess eines 1-Stunden-Labors entwickelt werden kann. Für Farbaufnahmen nehme ich gerne Fujifilm-Material (auch praktisch via Online-Shop zu beziehen). Bei Farbfilmen habe ich erst kürzlich angefangen, Positiv-Filme (Dia) zu nehmen. Grund: mein Scanner ist nicht so gut mit Farbnegativfilm (siehe weiter unten).
- Film entwickeln. Die belichteten Filme gebe ich ins Labor. Ich lasse sie nur entwickeln und in Streifen schneiden (am besten fürs Scannen nachher: 6er-Streufen für 35mm-Film und 2er-Streifen für 120er-Film im Format 6×6). Die meisten Filme bringe ich zum «Eschenmoser» (Schwarzweiss und Farbe). Dieser lässt sie bei Procine in Wädenswil entwickeln. Nach 3 oder 4 Tagen kann ich die Filme abholen. Wenn ich es schneller haben will, gehe ich in ein 1-Stunden-Labor (Schwarzweiss mit Ilford XP2 und Farbnegativfilme). Meist ist das dann bei Foto Ganz im ShopVille.
Schwarzweissfilme selber in der Dose zu entwickeln, das wäre wieder einmal toll. Momentan mach ich es aber nicht. Vielleicht gehe ich dann doch einmal ins Labor in unserer Genossenschaft, wer weiss. - Scannen. Zuhause kommt jetzt mein Scanner «Epson Perfection 4490 Photo» zum Zug. Dieses Modell ist bei Weitem nicht das Tollste, aber es scannt 35mm und 120er-Film mit der integrierten Durchlichteinheit im Deckel. Ich scanne mit den Filmhaltern von Epson und mit der Software von Epson. Hier wäre mit besserem Zubehör oder anderer Programme sicher viel herauszuholen. Schwarzweissfilm scanne ich in RGB. Gute Farben erhalte ich beim Scannen von Diafilm. Mit Farbnegativfilm hat die Software Mühe. Ein Trick wäre, Negative positiv zu scannen und die Umkehrung auf dem Computer zu machen. In jedem Fall sind gute Resultate nicht leicht zu erreichen. Auflösung und Endgrösse wähle ich grosszügig. Ich mach einen Vorschau-Scann, wähle die Bilder aus und stelle für jedes Helligkeit und Kontrast ein. Ich scanne relativ flau, so dass ich sowohl in den dunklen wie in den hellen Stellen viel Zeichnung habe. Gescannt wird dann im Mehrfachmodus in ein Verzeichnis pro Filmrolle.
Besondere Herausforderung sind Staub und Flecken auf dem Film beim Scannen. Deshalb arbeite ich mit Fotohandschuhen und Blasbalg. - Digital bearbeiten. Jetzt sind die Fotos digital und lassen sich im Bildprogramm bearbeiten. Zuschneiden und Verkleinern auf 1600 Pixel Breite sind die ersten Schritte. Dann kommt die Tonwertkorrektur und bei Schwarzweiss das Anwenden eines Schwarzweissfilters für neutrales Grau, immer noch in RGB. Mit dem Stempelwerkzeug entferne ich Staub. Ein bisschen Unscharfmaskieren und speichern (in höchster JPEG-Qualität).
- Ins Web stellen. In der Grösse von 1600 Pixel stelle ich die meisten meiner Bilder auf Flickr. Für manche Seiten verkleinere ich sie weiter. Im Bildprogramm gebe ich den Fotos Schlagwörter, manchmal bearbeite ich auch weitere EXIF-Angaben wie Datum und Uhrzeit, Kamera und Copyright.
- Prints machen. Ich habe erst wenige Versuche mit Abzügen von meinen gescannten Bildern gemacht. Von den 1600-Pixel-Versionen habe ich schon einmal gute Prints in der Grösse von 20×20 cm (ab 6×6-Mittelformatfilm) machen lassen.
So, das ganze dauert natürlich eine Weile. Viel aufwändiger als der digitale Prozess scheint mir dieser Workflow aber kaum.
Die Qualität reicht mir für meine Zwecke aus. Sollte ich einmal ein Bild in besserer Qualität brauchen, habe ich ja immer den Originalfilm, aus dem sich bessere Scans oder auch direkt analoge Vergrösserungen herstellen liessen.
Wenn jemand zu diesen Angaben Ergänzungen machen will oder Fragen hat, dann freue ich mich über Kommentare oder E-Mails.
Tags: analog, film, Fotografie, scanner, schwarzweiss, workflow
