Nach der Euphorie die Ernüchterung


Bubiker erfand Handetikettiergerät, doch bei der Vermarktung hapert es

In einer ausgebauten Garage in Wolfhausen begann Traugott Zysset vor drei Jahren mit der Entwicklung seiner Erfindung. Nach Patentamt und Erfindermessen sucht er jetzt interessierte Abnehmer. Aus dem innovativen Tüftler wurde ein Unternehmer im Gegenwind.

Aufgabe: 400 Adressetiketten aufkleben in zehn Minuten. Unmöglich! Das weiss jeder, der schon für den Verein Briefe adressieren musste. Für diese Arbeit braucht man mindestens eineinhalb Stunden. Traugott Zysset war es leid, Zeit für den Briefversand seines Vereines aufzuwenden, die er sich hätte sparen können. Er wollte es sich leichter machen, und so begann er zu sinnen und zu tüfteln. Heute adressiert er die 400 Briefe mit seiner «EasyFix»-Hand-Etikettiermaschine in zehn Minuten. Aufgabe erfüllt.

Als selbständig erwerbender Programmierer konnte er sich die Arbeit einteilen und zeichnete erste Skizzen eines Gerätes, das das Etikettenkleben vereinfachen sollte. Diese Idee packte ihn. «Als Programmierer schaffst du ständig neue Sachen», sagt der 51-jährige Zysset. Das Kreative in ihm drin, machte sich schon in seiner Jugend bemerkbar. Modellbau war sein grosses Hobby.

Die Mängel verbessert
«Man hat immer den Glauben, dass das Gerät gut ist», sagt der Erfinder. Ein Erfinder, wie es sie zum Beispiel auch an der Erfindermesse in Genf gibt, die nur Kurioses ausstellen, möchte er allerdings nicht sein. Und dennoch: Auch für ihn war Genf der erste Schritt an die Oeffentlichkeit. Das war vor knapp drei Jahren, und sein damaliger «EasyFix» glich dem heutigen kaum. Jedes Couvert musste einzeln in Position gebracht werden. Nur Klebehöhe und Etikettenbreite waren verstellbar.
Die Quelle des Erfindergeistes war noch nicht versiegt. «Ich suchte nach einer einfacheren Lösung.» Da war die zu grosse Reibung beim Ziehen der Trägerfolie, da war die zu kleine Anzahl Umschläge. Diese Mängel mussten verbessert werden: neue Skizzen, weitere Prototypen, längere Nächte des Studierens.

In 10'000er-Serie will Zysset sein Gerät produzieren, am liebsten in der Schweiz, und über eine Etikettenfirma vertreiben lassen. Doch das will nicht klappen. «Die Produktionspreise sind zu hoch.» Vielleicht müsste er doch billiger produzieren, zum Beispiel in Hong Kong, wie ihm ein Bekannter riet. Doch das will Traugott Zysset nicht. «Die Qualität muss stimmen.» Und ausserdem plagt ihn ein grundlegendes Anliegen für die Schweizer Wirtschaft: «Unser Land geht kaputt, wenn es nichts mehr selber produziert.» Zysset steht unter Druck: «Jetzt muss Geld rein kommen.»

«Ich will die Lücke füllen»
«Zuerst ist die Idee, dann die Euphorie und dann die Ernüchterung.» Das sei das Erfinderschicksal, sagt Zysset. Kann er damit leben? «Ja, aber es ist kein befreites Leben.»

Was sich in den drei Jahren an Korrespondenz und Planung ansammelte, steht in Ordnern abgelegt im Regal. Der Informatiker, der sich gewohnt ist, den Ertrag seiner Arbeit genau festzuhalten, will den administrativen Aufwand an seiner Erfindung an der Menge des Papiers in Metern messen. Doch das, so weiss Zysset, bleibt ein leerer Versuch der Rechtfertigung.

Zysset gibt nicht auf. Die vielen Kontakte ins Ausland sollen aufrechterhalten bleiben. Neue Kontakte verspricht sich der alleingelassene Unternehmer an der Bürofachmasse in Frankfurt in diesem Monat. «Solange es nichts zwischen Etikettendispensern und maschinellen Etikettieranlagen gibt, will ich mit EasyFix diese Lücke füllen.»

So funktioniert das Handetikettier-Gerät


Erschienen im «Zürcher Oberländer», 26. Februar 1997

© Stefan Bucher