Beziehungen vor der Kamera
Im Kafi des GZ Heuried sind Fotos des CARITAS-Projekts URAT ausgestellt. Seit Ende März besteht auch in Wiedikon ein Netz von Partnerschaften zwischen kosovo-albanischen und Schweizer Familien.
Von Stefan Bucher
«Sie leben unter uns, wir sehen sie im Tram, aber wir wissen so
wenig über sie», sagt einer der porträtierten Schweizer
über die Menschen aus Kosovo. Jetzt hat er jemanden kennengelernt.
Auf dem Foto steht der Mann neben seinem neuen kosovo-albanischen Freund.
Dass sich kosovo-albanische und Schweizer Familien kennenlernen und
regelmässig Kontakt pflegen, das ist Idee und Ziel des Projekts
URAT der Caritas Zürich. In 13 Gemeinden und Quartieren im Kanton
Zürich wurden bisher URAT-Kontaktnetze aufgebaut. Das jüngste
entstand Ende März in Wiedikon.
Fünf Partnerschaften zwischen kosovo-albanischen Familien und Schweizer
Freiwilligen gibt es zur Zeit in Wiedikon. «Noch einige albanische
Familien sind an einer Partnerschaft interessiert», sagt Susanne
Odermatt, die als Praktikantin bei der Caritas Zürich das Kontaktnetz
in Wiedikon aufgebaut hat.
Die Foto-Wanderausstellung, die jetzt im GZ Heuried zu sehen ist, trägt den Titel «Familienpartnerschaften vor der Kamera». Entstanden sind die Bilder im letzten Jahr unter anderem in Zürich Nord. Auf den rund 30 Bildern stehen die Menschen im Zentrum – zwei oder mehr. Zwischen ihnen bestehen Verbindungen: durch Blicke, durch ein Lachen, durch Berührungen oder durch ein gemeinsames Tun. «Es ist der Versuch, in den Bildern einen kleinen Aspekt davon zu zeigen, was zwischen den Leuten passiert», sagt die Fotografin Silvia Voser. Es sei ihr beim Fotografieren um die Beziehung zwischen den Menschen gegangen.
Die Betrachterinnen und Betrachter sehen durch die Fotos in die Stuben
der kosova-albanischen und Schweizer Familien: Hier sitzen zwei Frauen
zusammen auf dem Fussboden, Kinder hüpfen auf dem Bett auf und
ab. Oder Schweizerinnen begleiten ihre kosovo-albanischen Freundinnen
zu einem Amtsgang oder helfen ihnen beim Deutsch Lernen.
«Die Bilder drücken besser aus, was die Personen in den Partnerschaften
erleben, als ich es erzählen könnte», sagt Susanne Odermatt.
An der Vernissage vor zwei Wochen gab es neben den Bildern für
die Augen auch Musik für die Ohren. Das Duo Gjakova spielte Musik
aus Kosovo.
Die Fotoausstellung im Kafi des Gemeinschaftszenrums Heuried dauert
noch bis zum 5. Juni. Sie ist geöffnet jeweils Dienstag bis Freitag
sowie am Sonntag von 14.00 bis 17.30 Uhr.
Mehr Informationen für Interessentinnen und Interessenten am Projekt
URAT gibt es bei Caritas Zürich, Telefon 01 366 68 68.
Erschienen im «Zürich West», 9. Mai 2002
© Stefan Bucher